
Nokan – Die Kunst des Ausklangs
Kinostart: 26.11.
Regie: Yojiro Takita,;
Darsteller: Masahiro Motoki, Tsutomu, Yamazaki u.a.
Ein Kinoheld sieht wahrlich anders aus. Daigo ist schüchtern, introvertiert und ein wenig tapsig, und das als Cellist. Nun hat er auch noch seinen Job in einem Orchester verloren und beschließt, gemeinsam mit seiner Frau Mika von Tokio zurück in den japanischen Norden in die alte Heimat zu ziehen. Dort macht er sich auf Jobsuche und landet in Sasakis Firma, die einen ganz speziellen Service anbietet: die Vorbereitung Verstorbener zum Begräbnis nach uralter Tradition. Soll heißen: Waschen, Schminken, Einkleiden, in Tücher einwickeln, in den Sarg legen. Daigo ist sich alles andere als sicher, ob das die richtige Arbeit für ihn ist. Doch als er sieht, mit welcher Würde und Disziplin sein Chef Sasaki dieses Ritual vollzieht und wie sehr es den Hinterbliebenen bei der Trauer hilft, erkennt er seine Chance und bald auch sein Talent. Dennoch traut er sich nicht, seiner Frau von seiner neuen Tätigkeit zu erzählen. Schließlich kommt sie dahinter und stellt Daigo vor die Wahl: entweder dieser eklige Job oder sie.
Mit „Departures" – so der internationale Titel – landete Regisseur Yojiro Takita einen echten Coup. Der Film gewann nicht nur sieben der wichtigsten japanischen Filmpreise, sondern holte sich 2009 auch den Auslands-Oscar und ließ Filme wie „Waltz with Bashir", „Die Klasse" oder „Der Baader Meinhof Komplex" hinter sich. Und das nicht zu Unrecht: In seiner atmosphärisch dichten Mixtur aus Melodram und leiser Komödie, aus Familiendrama und Reflexion übers Sterben fesselt der Film auch dank der wunderbaren Figurenzeichnung vom gescheiterten Cellisten über die Badehausbetreiberin bis zum genervten Neuwitwer. Für den deutschen Titel bediente sich der Verleih übrigens beim japanischen Begriff Nokan für die Kunst des Aufbahrens und Einsargens.
Martin Schwarz
Stand: 15.11.2009